Wie ein geschulter Blick von Außen die Stadt voran bringt

Kathleen Hubrich (links) und Tanja Heymann mit dem Übersichtsplan der aktuellen innerstädtischen Förderkulissen

Das kleine unscheinbare Büro in der Forster Bahnhofstraße / Ecke Leipziger Straße, gegenüber der Gutenberg-Oberschule, ist für viele Forster Bürger, Vereine und Initiativen mittlerweile zu einer wichtigen und festen Anlaufstelle geworden. Hier sitzt mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH einer der wichtigsten Dienstleister für die Stadt Forst (Lausitz). Die drei Mitarbeiterinnen Tanja Heymann, Denise Dittmann und Kathleen Hubrich, die für die DSK vor Ort sind, unterstützen die Stadtverwaltung u.a. beratend bei der Stadtentwicklung.

Anfang der 1990er Jahre war die damalige BauGrund AG, die 2006 in die DSK übergegangen ist, erstmalig als Berater für die Stadt tätig. Als beauftragter treuhänderischer Sanierungsträger begleitete das Unternehmen die Umbaumaßnahmen im Sanierungsgebiet Nordstadt. „Das war nach der Wende eines der ersten Sanierungsgebiete im Land Brandenburg. Auch die Gestaltung der Promenade war später die erste städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in Brandenburg.“, weiß Angelika Geisler vom Fachbereich Stadtentwicklung.

Gerade in jener Zeit suchten die Kommunen nach Partnern, die mit der Begleitung und Förderung von Sanierungsmaßnahmen vertraut waren. Von dieser damals begonnenen Zusammenarbeit profitiert die Stadt seitdem. „Unsere Aufgabe als DSK ist es, die Stadt beim Stadtumbau zu beraten, Fördermittel zu verwalten und deren richtige Verwendung zu kontrollieren, nach Förderangeboten Ausschau zu halten und unsere Erfahrungen z.B. aus anderen Kommunen, in denen wir tätig sind, weiterzugeben.“ sagt Tanja Heymann, DSK-Projektleiterin für Forst. „Wir arbeiten strategisch nach vorn gerichtet und sind als Treuhänder gleichzeitig das Bindeglied zwischen Fördermittelgeber und Stadt.“
Doch die DSK ist nicht nur als Fördermittelbewirtschafter ein wichtiger Partner für die Stadt. „Für die Stadtentwicklung brauchen wir den Blick von Außen und die Erfahrungen anderer Kommunen.“, sieht Angelika Geisler einen weiteren Vorteil der Zusammenarbeit.

Das Sanierungsgebiet Nordstadt ist mittlerweile fertig und wird derzeit beim Land als Fördermittelgeber abgerechnet. Insgesamt 15 Millionen Euro wurden verbaut. Wie sinnvoll das Geld eingesetzt wurde, sieht man u.a. auch an den prachtvollen Fassaden, ausgebauten Straßenzügen und gestalteten Außenbereiche im Quartier zwischen der Grundschule Nord, der Frankfurter Straße, der Bahnhof- und der Otto-Nagel-Straße. Ein zweites großes Entwicklungsgebiet nach der Wende war die Gestaltung der Promenade und der angrenzenden Straßen. Für das gesamte Areal zwischen Cottbuser Straße, Frankfurter Straße, Markt und Gerberstraße wurden von Privatinvestoren insgesamt 25 Millionen in Neubau oder Gebäudesanierung investiert. Die genutzten öffentlichen Gelder, Fördermittel und kommunalen Eigenmittel beziffern sich auf ca. 2,4 Millionen Euro.

Da in Zukunft weniger Städtebaufördermittel zur Verfügung stehen werden, gilt es für die Stadt und die DSK als Sanierungsträger, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Alle Kraft in die Innenstadt“ lautet deshalb auch das Motto, mit dem die Innenstadt wieder attraktiver gemacht werden soll. Der Einzelhandel allein wird die Innenstadt nicht mehr beleben können, städtisches Leben muss deshalb in die Innenstadt gezogen werden.

Gefördert werden die vielfältigen Projekte durch eine Drittelförderung von Bund, Land und Kommune. So wurden bis einschließlich 2020 von Bund und Land mehr als 51 Mio. € für städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen ausgereicht, hinzu kommt der städtische Anteil von ca. 16 Mio. €. Insgesamt wurden damit mehr als 67 Millionen Euro Städtebauförderungsmittel in den vergangenen Jahrzehnten in die Stadtentwicklung investiert. 10% davon flossen in das Programm „Soziale Stadt“.

Eine nicht unwesentliche Hauptaufgabe der DSK ist die Vernetzungsarbeit. Federführend unter dem Stadtteilmanagement werden Ideen, die durch bürgerschaftliches Engagement entstehen, gefördert. Schulen, Vereine und Privatpersonen nutzen dieses Angebot, um eigene Projekte umzusetzen. Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich stellt die Kontakte zwischen den potentiellen Partnern, Ansprechpartnern in der Stadtverwaltung und evt. Fördermittelgebern her. Viele Ideen konnten aus dieser Vernetzung heraus in Angriff genommen werden.
In Forst habe das bürgerschaftliche Engagement zugenommen, auch weil die Erfolge sichtbar werden. Bei den Themen-Wochenmärkten, die im Frühjahr und Herbst stattfinden, werden u.a. auch Forster Vereine in die Themenmärkte eingebunden. Weitere erfolgreich auf den Weg gebrachte Projekte sind der jährliche Frühjahrsputz im Stadtgebiet, die Wunschbaumaktion zur Weihnachtszeit, das Steamrose Zeitreise Festival oder das Forster Seifenkistenrennen. „Die Selbstwirksamkeit der Bürger wächst. Einigen fehlt zwar noch der Mut, Ideen auf den Weg zu bringen, doch er kommt!“, so Tanja Heymann.

Für die Zukunft sieht sie den Strukturwandel als Chance für Forst: „Wichtig wird die Antwort auf die Frage sein, was schwappt aus Cottbus in den Landkreis und nach Forst rüber? Da kann in den nächsten 10-15 Jahren viel Kraft für Forst entstehen, die es gilt für die Stadt in die richtige Strategie umzuwandeln.“

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