Bis zum 6. September ist das monumentale Werk „Flaming Heart“ im Forster. Museum zu sehen
Ein überdimensionales rotes Herz aus Samt und Brokat, das bei Dunkelheit mit kleinen roten Lämpchen blinkt und dessen 15 Stoffarme den gesamten Raum überspannen, empfängt die Besucher beim Eintritt in die aktuelle Ausstellung der openart Lausitz Biennale im Forster. Museum.
Joana Vasconcelos ist eine der erfolgreichsten, arriviertesten Künstlerinnen der Gegenwart. Sie ist bekannt für aufwändige Skulpturen und gigantische Installationen, in denen sie oft traditionelle Handwerkstechniken einsetzt. Ihre heiter-ironischen Arbeiten berühren oft Fragen der kulturellen Identität.
Mehrmals schon waren ihre Werke auf der renommierten Biennale in Venedig zu sehen. Als jüngste Künstlerin und bisher einzige Frau im Schloss Versailles war ihre Ausstellung 2012 die meistbesuchte in Frankreich seit 50 Jahren.
Im Jahr 2018 war sie die erste portugiesische Künstlerin, die im Guggenheim Bilbao ausstellte, mit einer der meistbesuchten Retrospektiven in der Geschichte des Museums.
Ihre Arbeiten sind in bedeutenden Museen und Galerien auf der ganzen Welt vertreten, darunter die Eremitage in St. Petersburg, Palazzo Grassi in Venedig, Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid und der Royal Academy of Arts in London. „Forst war die Hochburg der Textilindustrie – Samt, Brokate alle Stoffarten sind in dem flammenden Herz verarbeitet – es ist Symbol für das Herz der Lausitz – was auch heute noch brennt“, so Kuratorin Michaela van den Driesch.
Zur Eröffnung der openart Lausitz Biennale am 21. August zeigte die Modedesignerin und Künstlerin Esther Perbandt eine eindrucksvolle hypnotische Live-Performance, die sie bereits auf der Positions-Kunstmesse in Berlin vorführte – vier Tage am Stück dauerte damals ihre Aktion. In Forst gab sie eine vierstündige Kostprobe: Ganz in ein schwarzes Stoffkostüm gehüllt, saß die Künstlerin spinnengleich vor einem ebenfalls schwarzen ausgebreiteten Netz und entwirrte die 500 schwarzen schmalen Stoffbahnen. „Order/Disorder“ (Ordnung/Unordnung) lautete dann auch der Titel ihrer Show. Ein Video der Performance ist weiterhin in der Ausstellung zu sehen.
Bekannt ist die Designerin durch ihre Auftritte in der Klum Show „Making the Cut“ auf amazon und als Gastjurorin bei Heidi Klums „Germanys next Topmodel“ sowie ihre rein schwarzen Kollektionen.

In Forst wird geklotzt – nicht gekleckert: 10 Meter lang ist der Scherenschnitt „State of Strike“ von Sonja Yakoleva, der die gesamte Rückwand des Saals einnimmt. Mit ihren monumentalen Scherenschnitten macht Sonja Yakovleva sichtbar, was im Alltag oft übersehen wird. In ihren großformatigen Arbeiten verbindet sie Zeichnung, Collage und Scherenschnitt zu eindrucksvollen Bildwelten, die von Arbeit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und den Menschen erzählen, die unsere Städte tragen.
Überdimensional sind auch die Holzschnitte von Frank Lippold. Frank Lippold gehört zu der Künstlergeneration, die, noch in der DDR sozialisiert, in der Umbruchzeit der 1990er Jahre an der HfBK Dresden studierten. Seit 1994 setzte sich Frank Lippold auf ganz besondere Weise mit der Technik des Holzschnitts auseinander. Ausgehend vom klassischen Druckverfahren entdeckte er die ästhetische Eigenwertigkeit der beschnitzten Druckplatten und begann, auf diesen mit Holzschnittwerkzeugen zu »zeichnen«.

Die Fahnen der „Rosenbrigade“ von Minh Duc Pham nehmen Bezug auf die ehemals in der DDR arbeitenden vietnamesischen Arbeiter:innen. 1991 im sächsischen Schlema, als Sohn ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter in der DDR geboren, verarbeitet Pham die Erfahrungen des Aufwachsens zwischen unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, Ausgrenzung und zwischenmenschlicher Nähe im Zuge der deutschen Wiedervereinigung.
Marike Schuurmann zeigt stark vergrößerten Polaroidfotos, die als Pigmentdrucke in Plexiglaskästen von den Lausitzer Seenlandschaften und deren Wasser-Säuregehalten erzählen. Ihre großformatigen Fotoarbeiten fordern das Publikum auf, sich mit unterschwelligen Bildinhalten auseinanderzusetzen und eigene Wahrnehmungsszenarien zu entwerfen.
Heike Zappe dokumentiert in geradezu poetischen Fotos die heute noch existierende, traditionsreiche „Jende Posamentenmanufaktur“ in Forst. Ihre Arbeiten interpretieren insbesondere die Themen Wandel und Vergänglichkeit.
Mit der großformatigen Installation einer Makro-Kohlestruktur, thematisiert die Künstlerin Katharina Wimmer den verlorengegangenen Kohleabbau in der Lausitz. Die Vergrößerungen ermöglichen einen genaueren Blick auf das Material und wecken vielschichtige Assoziationen, etwa an Luftbilder, geologische Karten oder militärische Überwachungsbilder.
Die interdisziplinär arbeitende Künstlerin Karen Modrei verbindet Textil, Klang, Installation und Performance. Für die openart Lausitz Biennale beschäftigt sie sich mit der Mehrsprachigkeit der Lausitz und der Frage, wie Sprache verbinden, aber auch Fremdheit und Distanz erzeugen kann. Im Mittelpunkt steht eine eigens umgebaute Strickmaschine, die Stimmen und Geräusche mithilfe eines Soundsensors in textile Muster übersetzt. Am Eröffnungssonntag wurden die Stimmen und Klänge der Besucherinnen und Besucher in Echtzeit aufgenommen und in textile „Übersetzungen“ verwandelt. So entstanden textile Dokumente, die Teil der Installation werden.
young art
Ein Blick lohnt auch auf die gegenüberliegende Seite des Forster Museums: Im Rahmen des Junst Kunst-Projekts wurde dort ein Fassadenentwurf umgesetzt, den Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums Forst entwarfen.
Open spaces
Ein wichtiger Bestandteil der openart Lausitz Biennale ist die Sektion „Offene Räume/open spaces“: Kunstschaffende vor Ort bieten eigenständig Veranstaltungen in ihren Räumen an: In einer ehemaligen DDR-Kaufhalle in Leuthen bei Drebkau ist ein lebendiger Atelier-, Workshop- und Ausstellungsraum entstanden. Im „Labor für Kunst“ zeigen Sarah Gosdschan und Daniel Hoffmann am 29. und 30. August sowie am 5. und 6. Sept. Zeichnungen, Malerei, Fotografie und freie Kunst. Wer selber aktiv werden will, kann das am 30. August tun: Da kommt Katrin Meißners Mobiles Atelier vorbei. kostenfrei und unter erfahrener Anleitung der Künstlerin ihre eigenen Kunstwerke. Die Teilnehmer stellen aus regionalen Materialien eigene Farben und Werkzeuge her und erschaffen kleine Kunstwerke. Die Künstlerin stellt sämtliche Materialien, sodass eine Teilnahme ohne Vorkenntnisse und finanziellen Aufwand möglich ist.

Fotos: Agentur
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